Folge 1: Die weiche Leiste

Gerade die beinharten Eishockey Cracks werden den Begriff „weiche Leiste“ nicht gerne hören, aber Leistenschmerzen (oder auch „Groin Pain“) gehören leider zum Eishockey Sport wie die gute Zahnversicherung und das Bier nach dem Training.

Die Ursachen können vielfältig sein: Leistenhernie, Adduktorenzerrung, Schambeineintzündung, Hüftimpingement etc., können durch ein akutes Trauma oder eine chronische Überlastung hervorgerufen werden. Therapiert wird entweder mittels Physiotherapie oder Chirurgie.

Der dänische Chirurg Per Hölmich hat bereits vor 20 Jahren ein standardisiertes Übungsprogramm für Sportler mit Leistenschmerzen (Hölmich 1999) entwickelt. Es beinhaltet die Kräftigung der Hüft-, Becken-, und Rumpfmuskulatur, kombiniert mit Koordinations-, sowie Balanceübungen, und hat sich bis heute gut bewährt. Die Übungen stehen kostenlos zum Download bereit!

Das Programm dauert ca. 1 ½ Stunden, und sollte 3 x pro Woche für mindestens 8-12 Wochen durchgeführt werden. Laufen / Eislaufen ist erst nach 6 Wochen erlaubt (wenn es schmerzfrei geht), und wer die Anweisungen brav befolgt, kann man mit Glück nach 4 Monaten(!!!) wieder in den Sport zurück.

Wem dies zu lange dauert sollte sich an den Sportphysiotherapeuten seines Vertrauens wenden. Mittlerweile gibt es auch Behandlungsprotokolle, die in Studien ein „Return to Sport“ bereits nach 10 Wochen (+/- 3), zumindest für 70 % der Teilnehmer erreichen konnten (Aspetar Groin Protocol, Serner et al, unpublished).

Es dauert also eine ganze Weile bis die weiche Leiste wieder belastbar genug ist. Es scheint daher gar nicht so unklug zu sein, es gar nicht so weit kommen zu lassen, und bereits präventiv etwas Zeit in die Stärkung der Leiste zu investieren. Am besten schon in der Pre-Season, denn mit der Belastbarkeit ist es wie mit dem Geld: Es ist gut wenn man rechtzeitig drauf schaut dass man es hat, wenn man es braucht.

Timothy Tyler zeigte in seiner Studie mit einer NHL Profi-Eishockey-Mannschaft, dass mit einem gezielten Pre-Season Kräftigungsprogramm (Tyler 2002) die Anzahl der Leistenverletzungen signifikant gesenkt werden konnte. Andere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass die Stärkung der Rumpf-, und Beinmuskulatur dem reinen Stretching überlegen ist (Herbert u. Gabriel, 2002).

Auch ein gutes Warm Up kann vor der einen oder anderen unangenehmen Verletzung schützen. Dazu mehr in der nächsten Folge. Ich wünsche euch in der Zwischenzeit viel Spaß beim Sport und

Keep on keepin´ on.

Euer Patrick

Literatur:

Hölmich P, Uhrskou P, Ulnits L et al. Effectiveness of active physical training as treatment for longstanding adductor-related groin pain in athletes.randomised trial. The Lancet 1999;353:439-443

Tyler TF, Nicholas Sj, Cmpbell RJ et al. The effectiveness of a preseason exercise program on the prevention of groin strains in professional ice hockey players. Am J Sports Med 2002;30:680-683

Herbert RD, Gabriel M. Effects of stretching before and after exercising on muscle soreness an d risk of injury: systematic review BMJ. 2002;325:468

Ein Kommentar

  • Michael Cecerle

    Danke Patrick, wie überaus passend und zeitgerecht!! 🙁
    Werde hier berichten wie die Rekonvaleszenz nach Adduktoren-Muskelfaserriss läuft….
    Heute (Tag 3 post insult) ist die Bewegung einigermaßen wiederhergestellt, Haematom vom Schambein bis zum Knie, mittelgradige Schwellung. Schmerzfrei bei normaler Belastung. Diclofenac p.o. 100mg 2xtäglich, Diclofenac und Heparin Gel lokal.

    LG, Michael

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